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p h i l o s o p h e n b e t t e n (2006-2009)

Partizipatorisches Projekt, mixed Media
11 Objekte, je mit Text


Zwischen 2005 und 2009 traf ich elf zeitgenössische Philosophen, um mit ihnen über Konzepte individueller Verortung zu sprechen. Daraufhin widme ich jedem ein "Bett".
Jedes Objekt wird von einem kurzen Text über den Philosophen/die Philosophin und unser Gespräch begleitet. Für die Ausstellungen im Artspace New Haven und Iranian Artists' Forum, Teheran, fertigte ich zudem (Wand-) Zeichnungen an. 

An dem Projekt beteiligt waren Hajo Eickhoff, Friedrich Kittler, Hans-Joachim Lenger, Jean-Luc Nancy, Susan Neiman, Roberto Nigro, Ruwen Ogien, Simon Farid O'Liai, Christian Ruby, Ludger Schwarte und Judith Siegmund.

 


Gloria Zein, p h i l o s o p h e n b e t t e n - Ein Bett für Simon Farid O'Liai, 2007

SIMON FARID O'LIAI

Die Essenz von Raum, erklärte er, ist das "Nichts" - das endliche Unendliche, die absolute Offenheit, die nur von Zeit begrenzt wird (nicht von Raum).
"Reality is relatedness and relatedness has a life on it's own." Realität ist das Verbundensein, denn nichts existiert für sich. Und dieses Verbundensein hat ein Eigenleben. Das ist die elastische Auffassung vom Nichts.

Verbunden zu sein bedeutet sterblich zu sein. Die Tatsache, bei der Geburt und im Sterben allein zu sein, negiert nicht etwa die Verbundenheit, sondern verdeutlicht sie. In diesem Sinne bedeute Batailles Äußerung, Leben und Tod seien verschränkt, dass die Verbundenheit der Menschen zu einem Toten darüber Auskunft gibt, wer er ist bzw. war. Wenn alles vorüber ist, ist der Mensch nichts, was immer noch etwas ist.

Das Bett ist ein Ort, in dem man sterben kann. Aber auch ein Ort zum Schlafen. Und im Schlaf, so O'Liai, ist der Mensch freier, sein Verbundensein zu nutzen, da er weniger kontrolliert ist, als er es im Wachstadium zu sein glaubt.
Die Einbildungskraft ist nicht gleichförmig; sie kann Punkte verbinden, die isoliert aussehen. Doch ein Traum kann realer sein als die Realität. Wir kommunizieren im Traum, und nach dem Erwachen fühlen wir uns anders.

Auf meine abschließende Frage, warum er ins Bett gehe, antwortete O'Liai: "Um mich frei zu fühlen, in einen anderen Kontext, eine andere Situation zu gehen."

 

Ein Bett für Simon Farid O'Liai, 2007.
Federkern, Elektro-, Sound-, TV-, USB-, Lan-Kabel, Federkissen, Seide.


  • Judith Siegmund zwischen Schlegel und Arendt, 2009. Keramik, Bauschaum und Holzwolle
  • Ein Bett für Roberto Nigro, 2006. Beton
  • Ein Bett für Ruwen Ogien, 2006. Schieferfliese (mit Loch), Baumwolle, Stahlnägel (30 x 30 x 20cm)
  • Ein Bett für Hajo Eickhoff, 2006
  • Ein Bett für Jean-Luc Nancy, 2006
  • Ein Bett für Christian Ruby, 2008
  • Susan Neiman in bed / Susan Neiman at work, 2006
  • Friedrich Kittlers magische Gotterkenntnismatratze, 2006. Leinen, Baumwolle, Perlen, Magie
  • Ein Bett für Hans-Joachim Lenger, 2006. Edelstahl und schwarzes Wasser (15 x 15 x 40cm) und Wandzeichnung. Ausstellungsansicht ArtSpace New Haven (CT, USA), 2006
  • Ein Bett für Jean Luc Nancy, 2006. Erde und andere Materialien (34 x 31 x 20cm) und Wandzeichnung. Ausstellungsansicht ArtSpace New Haven (CT, USA), 2006
  • p h i l o s o p h e n b e t t e n, Ausstellungsansicht Kunstverein Tiergarten, Berlin, 2010. Vorne: Ein Bett für Simon Farid O'Liai, 2007. Stahl und Elektrokabel
  • Publikation: p h i l o s o p h e n b e t t e n in "T:G10 Ästhetik der Existenz", Edition Voldemeer und Züricher Hochschule der Künste, Institut für Theorie, 2013
  • Publikation: p h i l o s o p h e n b e t t e n in "T:G10 Ästhetik der Existenz", Edition Voldemeer und Züricher Hochschule der Künste, Institut für Theorie, 2013

 

 

 

 

 

 

LUDGER SCHWARTE

Bei unserem Treffen sprach Schwarte über das Bett als Ort für Begegnung, Auseinandersetzung, Austausch und Kommunikation.

- Im sympotischen Zusammenliegen debattierten (und tranken) die Philosophen der Antike; dabei lag jeder auf einem "Bett".
- Das Bett kann Ort für halböffentliche Demonstrationen sein - es schmollt sich gut im Bett.
- Im Gespräch über die kommunikativen Qualitäten des Bettes, empfahl Schwarte die Lektüre von "Satyricon" des Römers Petronius.
- Die Benutzung des Bettes kann die politische Konstruktion von Gemeinschaft abbilden: In Familen-orientierten Gesellschaften teilen wir unser Bett nicht mit Fremden. Im Sozialismus hingegen wird diese Idee von Familienzuschreibungen nebensächlich; Verantwortung und Gemeinschaft werden in einem grösseren Kontext definiert.

Könnte, in diesem Zusammenhang, das Bett ein öffentlicher Ort sein?

Ich fragte Schwarte, wie viele Betten ein Mensch benötigt? "Drei," antwortete er. "Erstens das eigene Bett, zweitens das Reisebett, das uns unterwegs empfängt (im Hotel, bei Freunden, im Zug), und drittens das fremde Bett - für das Vergnügen, in fremden Betten zu schlafen."

 

Gloria Zein, Ein Bett für Ludger Schwarte, 2006




 

 
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